Chronik

 

Turnartistik auf dem Barren vor dem Vereinslokal des Wirtes Gustav Böing im Jahre 1908


Nachdem Friedrich Ludwig Jahn im 19. Jahrhundert die deutsche Jugend zum Turnen aufgerufen hatte, gründeten 35 wackere Männer am 5. Juni 1898 unter besonderer Initiative des Heinrich Bracht den Turnverein Eintracht Vogelsang.




Einladung zum 1. Stiftungsfest am 15. und 16. September 1900


Zweck der Vereinsgründung war - laut noch existierendem Gründungsprotokoll - die körperliche und geistige Schulung sowie die Pflege echter Kameradschaft seiner Mitglieder in vaterländischer Begeisterung durch regelmäßige Leibesübungen, Turnen, Spiel und Unterhaltung in geselligen Zusammenkünften.


Zur Erinnerung an das 20. Bezirksturnfest im Jahre 1913


Körperliche Ertüchtigung und geselliges Miteinander in Vogelsang, das sprach sich schnell herum, so dass die Mitgliederzahl um die Jahrhundertwende stark anstieg. Allerdings, und das ist auf dem Hintergrund der damaligen gesellschaftlichen Bedingungen zu sehen, war der Zugang zum Turnverein für Frauen in dieser Zeit kaum möglich. Turnen war reine Männersache!

 
 
 
 
Turngeräte wurden beschafft und in dem großen Festsaal der Vereinsgaststätte des Wirtes Gustav Böing untergebracht. Turnhallen, wie heute für alle Sportvereine unentbehrlich, gab es im Gevelsberger Raum nur eine einzige.



33. Bezirk- und Turnfest in Vogelsang am 10. August 1919


Schnell fand auch die Vogelsanger Jugend Zugang zum ansässigen Turnverein, so dass vor dem ersten Weltkrieg eine stattliche Anzahl von über 200 Mitgliedern zu verzeichnen war.
Höhepunkte der vereinsinternen Unternehmungen war das alljährliche Stiftungsfest, das immer am zweiten Weihnachtsfeiertag eines Jahres stattfand. Turnerische Vorführungen, Laienspiele, Theater- und Gesangsaufführungen und ein grosser Tanzball waren Anziehungspunkte für die Gevelsberger Bevölkerung. Der Verein war somit durch seine zahlreichen Aktivitäten maßgeblich an der Gestaltung des kulturellen Lebens in Gevelsberg beteiligt.


Erfolgreiche Schlagballmannschaft aus den dreißiger Jahren

Altersturnriege des TVE als Sieger beim Harkortbergfest in Wetter im Jahre 1937


Ein tiefer Einschnitt im Vereinsleben war der Ausbruch des  Ersten Weltkrieges. Da sehr viele wehrfähige Männer in den Krieg zogen, kam das Vereinsleben fast völlig zum Erliegen. 28 Mitglieder des Turnvereines kehrten nicht mehr aus dem Krieg in die Heimat zurück.

Doch auch nach dieser schweren Zeit ergriffen Männer wie Wilhelm Hofeditz, Fritz Dickmeyer, Gustav Kohlmaier, Hugo Kraus, Karl Hütz - um nur einige zu nennen - die Initiative, und brachten das Vereinsschiff wieder ins rechte Fahrwasser. Eine Frauenabteilung wurde eingerichtet und Turnspiele, wie das sehr beliebte Schlagballspiel fanden immer mehr Anhänger. Auch leichtathletische Disziplinen wurden mehr und mehr gepflegt. Zahlreiche Urkunden und Siegerkränze wurden von Turnfesten mit zum Vogelsang gebracht.

1933 - eine Jahreszahl, die gravierende Veränderungen im politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Leben in Deutschland durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten mit sich brachte, wirkte auch negativ auf die Turnvereine. Auch Sportvereine wurden "gleichgeschaltet", aus Vorsitzenden wurden Vereinsführer, aus Jugendleitern Jugendführer. Unserem damaligen Vorsitzenden, Ferdinand Schröder, gelang es weitgehend, politische Einflussnahme vom Verein fernzuhalten. Die Mitgliederzahlen wurden jedoch rückläufig, nationalsozialistische Organisationen, wie z.B. die "SA", hatten starken Zulauf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Gevelsberg zwangsweise ein Zentralverein eingerichtet, an dem die Gevelsberger Sportvereine, wie Eintracht Vogelsang, FC Vogelsang, Arbeiterfußballclub, Radfahrerverein u.a. nun Unterabteilungen bildeten. Die einzelnen traditionsbewußten Vereine waren bestrebt, ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen, und setzten sich Ende der vierziger Jahre auch in diesem Bestreben durch.

In dieser Nachkriegszeit sind Männer wie der Oberturnwart Heinrich Schwippert und Hans Gerstenmaier in erster Linie zu nennen, die sich in aufopfernder Weise um den Turnverein verdient gemacht haben.

Allerdings fand, wie in vielen Turnvereinen, Ende der sechziger Jahre das Geräteturnen nicht mehr so wie früher Zuspruch bei der Jugend. Mannschaftsballspiele wurden immer beliebter.

Als 1973 der jetzige Ehrenvorsitzende Peter Niggemann als junger Mann dem Verein beitrat, steckte das Volleyballspiel bei den Eintrachtlern - inspiriert durch die Olympischen Spiele in München - noch im Anfangsstadium. Vereinsführung und Trainingsangebote wurden neu strukturiert und organisiert, Hauptsportart wurde Volleyball. Zahlreiche Turnier- und Meisterschaftserfolge stellten sich ein, ein reger Zulauf zu den Trainingsabenden war zu verzeichnen.

Heute stellt sich der TV Eintracht Vogelsang dar als ein moderner Verein mit ca. 160 Mitgliedern mit der Hauptsportart Volleyball, in dem sowohl hobbybezogen als auch leistungsorientiert trainiert und in verschiedenen Meisterschaftsrunden gespielt wird.

Sportliche Betätigung, Freundschaft und geselliges Miteinander sind Begriffe, die damals wie heute den familiären Charakter unseres Vereines prägen.




Wohltätigkeitskonzert der Turnvereins im Jahre 1900







Preismaskenball und Fastnachtskränzchen Februar 190


48 Jahre Volleyball im TV Eintracht Vogelsang


Mixedmannschaft des TVE im Jahr 1978

Wie schon in der Chronik erwähnt, haben die Olympischen Spiele 1972 die Entwicklung des Volleyballsportes in Deutschland entscheidend beeinflußt. So auch im TV Eintracht Vogelsang.
 
Nachdem man Anfang der siebziger Jahre an den Übungsabenden noch eine Mischung aus Turnen, Gymnastik und verschiedenen Spielen gepflegt hatte, war man durch die spannenden und hochklassigen Volleyballdarbietungen inspiriert, dieses Spiel in das Übungsangebot aufzunehmen. Man sah im Vergleich zu anderen großen Ballspielen viele Vorteile. Allerdings fand sich in den eigenen Reihen kein Übungsleiter, der in Methodik und Didaktik des Volleyballspieles bewandert war. So wurde kaum zielgerichtet trainiert, man versuchte halt „volley“ zu spielen.
Gerade zu dieser Zeit suchte ein junger Abiturient, der jetzige Ehrenvorsitzende Peter Niggemann, einen Verein, in dem er sein in der Schule gewecktes Interesse für Volleyball weiterentwickeln und leistungsorientiert in einer möglichst höherklassigen Herrenmannschaft trainieren und spielen konnte. Da er gehört hatte, am Vogelsang werde dieses Spiel angeboten, nahm er an einem Trainingsabend teil.
Was er allerdings dort vorfand, entsprach nun wirklich nicht seinen Ambitionen. Von der 14-jährigen Schülerin bis hin zum 65-jährigen Rentner war von der Altersstruktur bei beiden Geschlechtern fast alles vertreten. Auch wurde kein Netz aufgebaut, sondern eine halbe Stunde lang an Reck und Barren geturnt. Als es dann endlich ans Spielen ging, erinnerte eigentlich nur das Netz und die weiße Lederkugel an Volleyball. Normalerweise wäre dieser erste Trainingsabend für Peter Niggemann auch gleichzeitig der letzte gewesen, wenn nicht diese spontane kameradschaftliche Aufnahme und diese besondere „Vogelsanger Atmosphäre“ ihn dazu bewegt hätte, doch auch weitere Male beim Übungsabend mitzumachen.
Kurios die Tatsache, dass der damalige Übungsleiter, Hans Gerstenmaier, der sich Jahrzehnte lang in rührender Weise um den Verein verdient gemacht hatte, schon nach 4 Wochen den Junior bat, die Leitung des Übungsabends zu übernehmen, da dieser über wesentlich mehr volleyballerische Fertigkeiten verfüge und dies auch den anderen besser weitergeben könne.
Der neue Trainer, der sich in Bezug auf Volleyballtraining in seinem Sportstudium und durch Lehrgänge weiter qualifizierte, organisierte in Absprache mit dem Vorstand und den beteiligten Mitgliedern den Trainingsabend neu: die Turngeräte blieben im Geräteraum, die Schulung volleyballspezifischer Techniken, taktische Grundelemente und die Verbesserung der konditionellen Voraussetzungen standen im Mittelpunkt. Schon nach einem halben Jahr war man soweit, an einer Meisterschaftsrunde in der Gauliga teilzunehmen und auf Anhieb die Meisterschaft zu erringen.

WR/WP 1986




Herrenmannschaft 1988              WP/WR 1988

Dies sprach sich schnell herum, und ein reger Zulauf von Volleyballinteressierten aus dem Hagener und Gevelsberger Raum setzte ein. Weitere Trainingseinheiten wurden vom Sportamt genehmigt und weitere engagierte Trainer verpflichtet, so daß zielgerichtete Trainingseinheiten mit alters- und leistungshomogenen Gruppen im Hobby- und Leistungsbereich durchgeführt werden konnten.
Wichtig für die weitere und zukunftsorientierte Entwicklung des Vereines war, daß im Jahr 1986 eine Jugendabteilung eingerichtet wurde. Hierbei kam uns die gute Kooperation mit der Grundschule Vogelsang zugute.  Viele dieser Talente haben es  im Laufe der Jahre immer wieder  geschafft, sich durch besondere Leistungen für die Damen-, Herren- oder die Mixedmannschaften zu empfehlen.
Nach 20- jähriger Trainertätigkeit trat Peter Niggemann im Jahre 1993 von diesem Aufgabenbereich zurück. Allerdings nicht unvorbereitet, denn mit Gernot Jost war aus der eigenen Jugend ein hochqualifizierter Trainer nachgerückt, der momentan für den Jugendbereich zuständig ist.  
Dass nun mittlerweile 13 Volleyballmannschaften überaus erfolgreich bei Turnieren und an verschiedenen Meisterschaften teilnehmen, ist an den zahlreichen Pokalen, Urkunden und Zeitungsberichten abzulesen.



1986: Die Mixedmannschaft holt sich zum dritten Mal hintereinander den Pokal beim Turnier der TG Voerde

Die Formulierungen im Gründungsprotokoll von 1898 bzgl. des Vereinszweckes (...... " die körperliche und geistige Schulung sowie die Pflege echter Kameradschaft seiner Mitglieder in vaterländischer Begeisterung durch regelmäßige Leibesübungen....") passen sicherlich nicht so ganz in die heutige Zeit, jedoch fühlen wir uns den Traditionen des Vereines verpflichtet und langjährige freundschaftliche Bindungen vieler ehemals aktiver Volleyballer unterstreichen dies. So kommen gerne viele "Ehemalige" zu den Volleyballbrunches der Vogelsanger, wo der sportliche Teil eher im Hintergrund und das gesellige Miteinander bei kulinarischen Leckerbissen klar im Vordergrund steht. Auf dem Foto unten bedankt sich der ehemalige Vorsitzende Ulli Seidel (links)  für die Einladung mit einem Spielball für die Jugendabteilung bei dem damaligen Abteilungsleiter Peter Niggemann.

 

 

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